Meine Hände sind so kalt; denn die Zeit, die ging ins Land. Meine Seele ist so rein.



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Mein Haschhippie

Illegale Stoffe zu organsieren stellt den Rauschwilligen vor eine Entscheidung. Es stehen zwei Weg der Beschaffung offen. Entweder, man wendet sich an einen dubiosen Menschen aus der Halbwelt. Dieser findet sich meist am gef?hrlichsten Ort am Platz, und Nutten, Junkies und auch die Polizei sind nicht weit. Oder man greift auf idealistische Zeitgenossen zur?ck, welche den Stoff, hier THC, selber anbauen und konsumieren. Ihre Zugetanheit zum Konsum stellen sie unter Beweis mit ihrem haircut, ihren groben Wollpullies und in ihren Reden. Sie erkl?ren gerne und mit Leidenschaft (vor allem ungefragt), dass wenn Alkohol erlaubt, es TCH auch sein m?sste, und an THC auch noch keiner gestorben sei. Obwohl das ja nicht unbedingt f?r ein Rauschmittel spricht, zumindest f?r kein m?nnliches. Ausserdem werden sie tendenziel weniger oft verhaftet oder erstochen. Wie dem auch sei, ich hol mir mein Hasch seit Jahren bei einem Vertreter der zweiten Kategorie.

Der liebe Mann ist so um die 45, und er mag gerne Juttekutten (im Schnitt der Dubai-Scheichs auf BIZZ-TV, nur eben aus Jutte). Sein Haar tr?gt er selbstverst?ndlich lang. Damit sieht er meiner Vorstellung von Jesus nicht mal un?hndlich. Er war auch schon oft und gern in Idien. Deshalb war es wohl naheliegend, seinen Shop als Gesundstein-Kristall-Hokuspokus-Indialaden zu tarnen. Der Staubschicht auf den Steinen nach zu urteilen werden diese Artikel aber nicht oft nachgefragt.

Betritt man sein Etablissementl, vorher werden aber noch die Strassenschuhe ausgezogen, gr?sst man freundlich bis jovial, und begibt sich in ein mit Orientteppichen ausgelegtes Zimmer. Dort setzt man sich hin und l?sst etwas Zeit verstreichen, trinkt bespielsweise einen Tschaitee. Vielleicht nimmt man sich auch eins der zahlreichen Instrumente von der Wand und jammt ein wenig rum. Wichtig ist einfach etwas Zeit verstreichen lassen. Ist man eine Weile da, und die Aura des Ladens und die eigene haben sich synchronisiert, so fragt man den Haschhippe nach "dem Kistchen". Er verschindet in einem Hinterzimmer, nestelt dort ein wenig vor sich hin, und tsag-b?fff ist er wieder zur?ck. Im Kistchen, und das muss man ihm lassen, befinden sich immer 4 - 5 Spitzensorten, welche man zu 50er- oder 100er-W?hrungseinheiten haben kann. Man nimmt sich raus was man mag. Legt ein Geldschein rein, Deckel zu, h?flich Verabschieden und bis zum n?chsten Mal.

So l?uft das jeweils ab, mache das schon seit Jahren. Was mich allerdings stutzig werden liess: Seit ich meinen neusten Job hab (siehe Eintr?ge weiter unten), bin ich gezwungen, mich anst?ndig zu gewanden. Das heisst Anzugshose, Hemd, meist auch Kravatte. Da meine neue Leidensst?tte 5 min entfernt von seinem Laden liegt, ging ich neulich in Bizz-Montur hin.

Wow, schlug mir da Apathie entgegen. Der Haschhippie war noch am nettesten. Er hat wohl trotz allem sein Gesch?ft im Auge. Schlimm waren die anderen Kunden, welche jeweils auch im Orientteppichzimmer warten. Sonst wird man da schnell in ein Gespr?ch ?ber Mantras und Ghandi verwickelt, es wird freundlich gegr?sst, und man reicht sich gegenseitig Tschai-Tee. Nun vergassen die anderen Kunden aber alle gebotene H?flichkeit, als ich im Bizz-Look dort auftauchte. Niemand gr?sst zur?ck, alle funkelten mich missg?nstig an, keiner reichte mir Tschai. Ein blonder, langhaariger J?ngling mit schmutzigen F?ssen tuschelte mit seine Begleiterin, immer wieder sahen sie mitleidig zu mir r?ber. Ich f?hlte mich sehr unwohl. Ich dachte immer, diese Hippieszene sei sehr tolerant. Weit gefehlt. Am Aeussern wird man festgemacht. Wie ?berall.
Da ich nicht darauf warten wollte, wegen der Ausbeutung thail?ndischer Arbeiterinnen, oder wof?r sie micht sonst verantwortlich machen mochten, zur Rede gestellt zu werden, verzichtet ich auf den Tschai-Tee und verlangte gleich nach dem Kistchen, w?hlte und verschwand schnell wieder.

Wenn ich das n?chste Mal nach der Arbeit hingehe, werde ich mir erst mein Haar zerwuscheln und das Hemd betont schlampig in die Hose stecken, um die n?tige kritische Distanz zu zeigen und zu unterstreichen. Danach werde ich zuf?llig eine Quittung liegen lassen, welche eine nicht unbetr?chtliche ?berweisung an Greenpeace quittiert. Ausserdem werde ich mich vorher im Netz ?ber Meditation und Ravi Shankar informieren, um die richtige Gesinnung zu beweisen.

Was man nicht alles macht f?r den Stoff... hurra!
13.8.05 15:43
 


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